Porträt der Woche, GA 
Beckmann, ARD 
Mainhardt Graf von Nayhauß und Tamara Gräfin von Nayhauß

Ihre Neugierde schaute sich die Journalistin Tamara Gräfin von Nayhauß von ihrem Vater ab. Das Büro ihres Vaters sei Zuhause gewesen, und Politiker gingen ein und aus. So erlebte sie seinen Beruf hautnah mit. Als Kind beeindruckte sie das nur wenig, erst später reifte der Plan, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Mainhardt Graf von Nayhauß kommentiert in seiner Bild-Kolumne nun bereits seit zwanzig Jahren das politische Geschehen und gewährt Blicke hinter die Kulissen der Macht.

Seine Enthüllungen trübten sein freundschaftliches Verhältnis zu zahlreichen Politikern nie wirklich. Nur das Verhältnis zu Kanzler Gerhard Schröder sei in letzter Zeit merklich abgekühlt. Zwei Mal habe er ihn vergeblich zu einem Chat auf der Homepage der Bild-Zeitung geladen, doch der Kanzler ließ ihn mit den Worten "Ich werde doch für ihren Verlag nicht noch Werbung machen" abblitzen. "Da hat es mich fast aus dem Stuhl gehauen", empört sich der Vollblut-Journalist. Seine Vermittlungsversuche fruchteten nicht. "Ich habe es versucht. Er wird dann aber richtig bockig", charakterisiert Nayhauß den deutschen Kanzler.

Keine Vorwürfe macht sich Nayhauß wegen der Enthüllungen um die Ehekrise von Außenminister Joschka Fischer. Schließlich kenne Herr Fischer seinen Beruf, und Fischer bat nach dem persönlichen Gespräch nicht explizit um Diskretion. Da konnte ihn auch seine Tochter nicht bremsen, die im Vorfeld meinte: "Das geht zu weit." Seine Schamgrenze sei klar definiert. Nayhauß schreibe, "wenn man mit dem Betroffenen gesprochen hat und nicht ausdrücklich die Auflage bekommen hat," Diskretion zu wahren. "Und die Grenze ist irgendwie durch das Gesetz geregelt."

Reinhold Beckmann zeigte sich von dieser Haltung nicht wirklich überzeugt, doch Nayhauß dreht den Spieß geschickt um. Er werde von Kollegen wie Reinhold Beckmann ja prinzipiell nur nach solchen Indiskretionen befragt, es bestehe also Bedarf. Von seinen seriöseren Kolumnen bliebe einfach nichts hängen.

Die Politik interessiere Tamara von Nayhauß zwar, journalistisch wolle sie sich damit aber nicht auseinandersetzen. Stolz ist der Vater trotzdem, wenn Tamara den Rennfahrer David Coulthardt fragt, ob er Sex vor dem Rennen habe oder was er denn unter dem Schottenrock trage. Auf ihren Titel lege die Fernsehjournalistin übrigens keinen gesteigerten Wert. "Es gibt da ja diese unglaublichen Veranstaltungen "Adel auf dem Radl" oder so was." An so etwas sei sie grundsätzlich nicht interessiert. Mit 14 nahm ihre Mutter sie einmal zu einem Adelsball mit. Dort unterhielt sie sich angeregt bis fünf Uhr morgens – mit dem Küchenpersonal.